Elfer Music Club
Seit 25 Jahren gibt es den Elfer in Frankfurt bereits schon. Eine Location, die als Fußballkneipe an den Start ging, mittlerweile seit über 10 Jahren aber auch über einen extrem gut bebuchten Konzertraum verfügt. In seiner heutigen Form kennt man den Elfer seit Januar 2008, und junge aufstrebende Bands sind auf der Bühne mehr als willkommen. Das macht den Elfer zum würdigen August-Gewinner des "Line 6 Live Award".
Natürlich gibt's im Elfer, direkt neben der größeren Batschkapp in Frankfurt Eschersheim gelegen, auch nach wie vor alle Spiele der Frankfurter Eintracht zu sehen. Außerdem kann man Kickern, Billard spielen oder sich einfach nur unterhalten, denn die Gäste und das Barpersonal des Elfer sind für ihre Kontaktfreude bekannt. Doch der Konzertraum mit hauseigener PA, der 140 Personen Platz bietet, zeigt wo der Schwerpunkt des heutigen Konzeptes liegt: 8 bis 12 Konzerte finden hier monatlich statt und locken je nach Musikrichtung und Band mal ein extrem gemischtes, mal ein klar szeniges Publikum an. Der Elfer ist kein Schickimicki-Laden, hier ist jeder willkommen und darf Konzerte erleben, die man sonst nur selten zu sehen bekommt: Livemusik vom Singer/Songwriter über Electro bis Rock, PostRock und Hardcore. Verzichten muss das Publikum auf rechtsradikale Musik, das geht im Elfer auf gar keinen Fall, auch HipHop ist nicht ganz oben auf den Lieblingslisten der Clubmacher zu finden. Dafür gibt es hier immer Neues zu entdecken und zu hören: Einige ehemals noch unbekannte Bands, die im Elfer gespielt haben, sind nur wenig später richtig durchgestartet, darunter die Killians oder This Will Destroy You. Man bediene generell "eher ein Nischenprogramm", sagt uns einer der Köpfe des Elfer, "Cheffe" und Booker Wolf Heilig. Dass bei dieser Programmplanung auch mal eine Perle durchrutschen kann, das gibt Wolf gerne zu: "Enter Shikari wollten vor 3 Jahren bei uns spielen und wir haben die Show nicht gemacht, weil uns die Musik nicht gefallen hat. Ein halbes Jahr später waren sie in aller Munde." Sei's drum, man kann sie nicht alle haben oder haben wollen. Die Liste der bekannten Namen wächst auch so beständig: "Vor 10 Jahren haben schon Alkaline Trio, Sportfreunde Stiller und die Beatsteaks hier gespielt", berichtet Wolf, aber das war vor seiner Zeit im Elfer.
Ein hervorragendes Nischenprogramm...
Das heutige Team des Elfer besteht neben Wolf aus seinem Partner Thomas, einem Auszubildenden im Bereich Veranstaltungstechnik und einem stattlichen Barpersonal aus insgesamt ca. 12 Mitarbeitern. Unter anderem auch die Nähe zur Batschkapp sorgt dafür, dass die Kneipe des Elfer floriert. Was den ganzen Konzertbereich angeht, so besteht keinerlei Konkurrenzsituation zum Nachbarn, schließlich wird im Elfer eine Nische bedient, während die Batschkapp vornehmlich etablierte Acts präsentiert. Überhaupt ist Frankfurt in dieser Hinsicht kein schlechtes Pflaster für Clubs: Jeden Monat treffen sich die Macher der bekannten Frankfurter Locations zu einem Meeting. "Ich bin der Meinung, dass unter den Gastronomen in Frankfurt ein angenehmes Wir-Gefühl herrscht", sagt Wolf über die geschäftliche Atmosphäre in der weltweit als Finanzmetropole bekannten Stadt. Hoffentlich überträgt sich das noch mehr aufs Frankfurter Publikum, denn auch hier scheint man vorrangig vor allem in jene Clubs zu gehen, die man bereits kennt. Doch gerade der Elfer lädt mit seinem auf Neues spezialisierten Programm zu gesteigerter Experimentierfreude unter den Nachtmenschen ein.
...mit persönlichen Highlights...
Verpassen will schließlich niemand was, lieber teilt das Elfer-Team seine Erinnerung an Highlights gemeinsam mit dem Publikum: Besonders Wolf ist zum Beispiel das Konzert der Lost Patrol Band in Eschersheim in sehr guter Erinnerung geblieben, weil "es mich damals noch fasziniert hat, dass ein bekannter Künstler wie Dennis Lyxzen (Refused) so locker und entspannt in unsere kleine Location kam, sich für alles bedankte und überhaupt keine Allüren an den Tag legte." Bands aus dem Ausland seien in der Regel generell mit allem zufrieden, berichtet Wolf. Überzogene Ansprüche erlebe er nur in ganz seltenen Ausnahmen bei manch einer deutschen Band. Trotzdem resümiert er seine bisherige Zeit als Booker und Geschäftsführer des Elfer positiv: "95% der Bands würde ich wieder buchen." Die professionelle Sichtweise legt Wolf an den Konzertabenden gerne auch mal komplett ab, besonders wenn persönliche Favoriten wie Geoff Farina von Karate und den Glorytellers auf dem Programmplan stehen: "Dann bin ich auf einmal doch wieder mehr Fan, als Veranstalter und Booker."
...und starken Newcomern aus dem Großraum Frankfurt...
Doch um den Job kommt er nicht herum: Das meiste Booking läuft zwar über die Agenturen, dennoch nimmt sich Wolf die Zeit, um auch direkte Bandanfragen zu beantworten. Die größten Chancen auf positive Resonanz haben Acts aus der Region in und um Frankfurt und jene, die es dem Booker so leicht wie möglich machen, sich einen schnellen Eindruck der Band zu verschaffen, am besten mit direktem Link zu Webseite oder Bandprofilen, auf denen man die Musik hören kann. Wenn's dennoch beim ersten Mal nicht klappt, dann rät er selbst: "Nicht aufgeben! Bands können auch zwei- bis dreimal schreiben. Aber wenn dann immer noch keine Antwort kommt, dann besteht wirklich kein Interesse." Die Location zu mieten ist dann die letzte mögliche Option, die Elfer-Bühne zu erklimmen. Wenn das Interesse auf Seiten des Elfer aber erstmal geweckt ist, dann tritt der Club komplett als Veranstalter auf und kümmert sich umfassend um das geplante Event, auch was die Werbung angeht: Flyer und Poster werden in Umlauf gebracht, Magazine, Radiostationen und Internetportale mit dem Programm versorgt. Gerade von lokalen Bands erwartet Wolf aber insbesondere, "dass sie alle ihre Fans motivieren."
...und da kommt noch mehr!
Etwas besorgt blickt man auch im Elfer auf die in der Diskussion befindlichen Konditionen der GEMA. Wolf bringt das scharf diskutierte Thema auf eine knackige Formel: "Die Gema muss sich dem Markt anpassen, nicht der Markt der Gema!", fordert er. Für junge Bands sieht er mehr Chancen, an Gigs zu kommen, wenn sie nicht bei der Verwertungsgesellschaft angemeldet sind: "Jeder Veranstalter ist euch dankbar, wenn ihr nicht bei der Gema gemeldet seid".
Doch diese Sorgenfalten bleiben eine Randnotiz im Elfer. Besprochen und geplant wird ganz anderes: Bald (am 2. Oktober 2009) will man die zweite Location eröffnen: Den Ponyhof in der Klappergasse 16 (das ehemalige "Das Bett"). Dort sollen vor allem Singer/Songwriter und Indie/Alternative-Bands eine hervorragende Auftrittsmöglichkeit finden. Wir wünschen den Gewinnern des Line 6 Live Award August 2009 bei ihren künftigen Unternehmen weiterhin ebensoviel Mut, wie sie ihn bisher bewiesen haben!
Autor: Markus Biedermann
Kontaktinfos, Anfahrt, alle Livetermine und mehr auf dem Locationprofil bei regioactive.de

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