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    Livelocation des Monats September 2009

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PRODUKTE

Blue Shell

Der "Line 6 Live Award" im September geht in die Domstadt: Seit 1979 ist das Blue Shell eine feste Institution im Kölner Nachtleben. Die Location auf der Luxemburger Staße verharrt nicht auf den zahlreichen Lorbeeren aus ihrer langen Geschichte, sondern ist ihrem Ruf als ambitionierter Live-Club bis heute treu und bietet eine Bühne, auf der viele junge Bands, mit Geschmack und Kenntnis ausgewählt, zu einem großartigen Gig kommen.

Seit jeher ist das Blue Shell ein beliebter Anlaufpunkt für Musiker, Schauspieler, Schriftsteller und andere mehr oder weniger exotische Zeitgenossen. Ein gemischtes Publikum, das in diesem Laden definitiv auf Programmpunkte wie Karaoke oder Deep Purple-Coverbands verzichten muss – was jenen nachtwandernden Kölnern sicherlich nicht schwer fällt, auf die das Lokal mit seinem Programm abzielt: 200 Menschen fasst die Location bei den Konzerten, von denen monatlich um die 20 Stück stattfinden, ab 50 Besuchern herrscht schon ein wohliges Völlegefühl. Das Team aus über 10 Mitarbeitern an der Theke und Tür plus 4 Techniker sorgen dafür, dass für eine super Atmosphäre gesorgt ist, der Ausschank nicht ins Stocken gerät und obendrauf auch noch ein perfekter Sound die Ohren der Gäste verwöhnt.

Von der Punk-Kneipe zum (Live)-Club...

Rolf Kistenich, der aktuelle Chef des Blue Shell, ist bereits seit 1986 als DJ mit im Boot, seit 1994 als Betreiber. "Wir wollen für 200 Leute die optimale Live-Location mit sehr guter PA, Soundleuten und Betreuung bieten", gibt er als Maxime aus. "Wir sind Fans!" sagt er und beschreibt damit den Spirit des gesamten Teams. DJs und Bands sollen hier immer bis an den Rand des Möglichen gehen und am Puls der Zeit sein, das ist der hoch angesetzte Anspruch. "Kinder-, Indie- und Alernativschrabbel-Mainstream lassen wir draußen".

Wenn man einen Blick in die lange Geschichte des Clubs wirft, dann war das wohl schon immer so. Punks, Teds und Rocker zog es in die blaue Nacht, Liebhaber des allzu poppigen Mainstream waren hier von Anbeginn fehl am Platze. Das Blue Shell wurde zum Wohnzimmer der Kunst- und Musikszene, neue Trends und Genres gab und gibt es hier als "First" zu erleben, und seien es so unterschiedliche Bereich wie (New)-Wave, HipHop oder Grunge. Wie sonst wäre man Anfang der 1980er Jahre zur Stammlocation der Spex-Redaktion geworden, mit einem Hinterraum für die Redaktionssitzungen? Und wieviele andere Läden können eigentlich von sich behaupten, Blur bereits 1990 auf der Bühne gehabt zu haben? Oder Timid Tiger und Sophia, lange bevor sie richtig durchgestartet waren? Und Thees Uhlman von Tomte lässt es sich nicht nehmen, hier jedes Jahr vor Weinachten eines seiner seltenen Solokonzerte zu geben. Rolf erinnert sich noch an eine ganze Reihe weiterer legendärer Gigs: "Mekons 1982, Bernd Begeman solo auf dem Billardtisch 1995, Superpunk 2005, Wire 2009, einfach toll..." – er könnte wohl stundenlang mit dieser Auflistung toller Erlebnisse fortfahren.

...mit höchster Motivation...

Arrogante Newcomer oder Bands wie Karpatenhund, die dem Club mit der Muschel im Logo aus unerfindlichen Gründen den Rücken kehren, ärgern ihn zwar, bleiben aber eine große Ausnahme und können die Motivation nicht schmälern, wie eh und je voller Ambitionen den Club zu führen. Aber das schaffte ja nicht einmal der Entzug der Livemusik-Konzession Mitte der 90er Jahre: Viel Arbeit und viel Geld wurden investiert, um die Schallschutzbestimmungen der Stadt Köln zu erfüllen und da weiterzumachen, wo man nie aufhören wollte. Dieses Engagement ist bis heute geblieben, ebenso wie der Mut, Monat für Monat ein ausgefallenes Programm auf die Beine zu stellen und jungen Bands eine hervorragende Auftrittsmöglichkeit zu bieten.

Damit das alles auch weiterhin so bleibt, wünscht sich der Chef des Blue Shell eine sachliche Diskussion darüber, wie die Konditionen der GEMA gerechter zu gestalten sind. Auf lokaler Ebene liegt ihm am Herzen, dass die Stadt Köln die rund um die Uhr geöffenten Kioske eindämmt, denn das schade der ansässigen Gatronomie: "Kioskbier is killing Clubs". Das sieht sicher nicht nur der Kopf des Blue Shell so, sondern auch viele andere Locationbetreiber in Köln, deren Verhältnis untereinander laut Rolf ganz generell sowieso eher von einem "Wir"-Gefühl als beinhartem Konkurrenzdenken geprägt ist.

...und mit einem großen Interesse an Newcomern

Coole Gigs kommen auch im Blue Shell nicht ohne die ganze Arbeit im Vorfeld des Events. Der Booking-Kontakt läuft sowohl in direktem Kontakt mit den Bands, als auch über deren Agenturen oder Managements. Rolf Kistenich legt dabei großen Wert auf den direkten Draht: "Erst anrufen, dann Emails schicken" ist ihm genauso wichtig, wie sich im Internet auf schnellstem Wege einen Überblick zur Band und deren Musik verschaffen zu können. Beim Blue Shell ist es nicht anders, als bei anderen Clubs, die (noch) unbekannte Bands ins Programm holen: Ein regionales Zugpferd sollte bei den Gigs immer dabei sein, weil sonst die Gefahr besteht, dass zu wenige Zuschauer kommen. Ist ein attraktives Band-Paket geschnürt, dann müssen noch die Konditionen festgelegt werden. Und dabei geht es im Blue Shell recht flexibel zu, auch wenn es eine klare Ansage zum "Break Even" gibt, der erreicht werden muss, so dass sich eine Veranstaltung finanziell trägt. Von der reinen Vermietung der Location bis zur Festgage ist vieles möglich, nicht zuletzt auch abhängig davon, wie sich die Aufgaben verteilen, zum Beispiel wer den Großteil der Werbemaßnahmen übernimmt. Pflicht ist daher die gute Abstimmung zwischen Club und Band: "Die Kooperation von Beiden in allen Bereichen kann nur gut sein", ist Rolf überzeugt.

Line 6 und regioactive.de wünschen dem Blue Shell viel Erfolg für die weitere Zukunft, denn Livelocations mit einem ähnlich jungen und frischen Programm gibt es selbst in einer Metropole wie Köln nicht. Aber Grund zur Sorge besteht sowieso nicht, denn ganz im Gegenteil wird auf der Luxemburger Straße längst an neuen Plänen gefeilt und gebaut: "Wir bauen gerade an und um. In Zukunft wird es auch eine Blue Shell Bar mir DJ geben", erläutert Rolf. Und neue Toiletten, neues Licht und neues Klima. Geplanter Termin: Ende Oktober. Wir freuen uns darauf!

Autor: Markus Biedermann

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